Sonntag, 13. Oktober 2019

Camiro beim Aqua-Training

Für Camiro ist die Zeit des Nichtstuns nun endlich vorbei! Schon vor 14 Tagen habe ich begonnen mit ihm kurze Spaziergänge am Berg zu machen und diese Woche waren wir nun zwei mal auf dem Aqua-Trainer (oder Wasserlaufband) bei Corinne und Simon Alt www.sportpferdezucht-rietenberg.ch. Da Camiro das normale Laufband bereits kennt und auch einfach wahnsinnig unkompliziert im Handling ist, war es kein Problem für ihn den Aqua-Trainer zu betreten. Erst läuft nur das Laufband, das sich dann langsam von hinten her mit Wasser füllt. Wie hoch man den Wasserstand einstellt, hängt davon ab was man mit dem Training bezwecken möchte. Da es bei Camiro darum geht Muskulatur und Kondition auf- und Weidespeck abzubauen, wird das Wasser bis ca auf Höhe Karpalgelenk aufgefüllt. Um eine Ermüdung durch die gleichbleibende Bewegung zu vermeiden wechseln wir alle paar Minuten vom ebenen zum leicht ansteigenden Laufband, wodurch das Wasser im Bereich der Vorhand natürlich weniger tief wird und Camiro sich etwas erholen kann. Da er ja den ganzen Sommer durch auf den Hangweiden unterwegs war, ist seine Grundkondition noch gut erhalten und er schafft schon gute 30 Minuten im Wasser (die Zeitmessung starte ich in dem Moment wo er alle Hufe im Wasser hat, also nicht beim Höchststand), danach ist er aber wirklich müde! Am folgenden Tag gehe ich dementsprechend nicht zu steil den Berg hoch mit ihm, bzw hat er einen reinen Weidetag.

Camiro beim Fitnesstraining:


Und am relaxen:

Das Aqua-Training werde ich mit Camiro jetzt noch drei Wochen lang zwei mal pro Woche durchziehen und danach, wenn ich ihn wieder reite mal sehen ob ich es zeitlich schaffe noch einmal pro Woche zu gehen.

Mittwoch, 25. September 2019

Jana und Camiro und der Weg zurück in den Sport

So langsam nähert sich der Winter und damit auch die Zeit des Wiederaufbaus meiner zwei Patienten. Um für mich und interessierte Mitleser eine Art Tagebuch zu führen und diesen etwas vergessenen Blog wieder zu beleben habe ich beschlossen, hier regelmässig über unsere Aufbauarbeit zu schreiben.

Der Ordnung halber hier mal die Ausgangslage:

Jana
Sehr wahrscheinlich Sommer/Herbst 2017 unbemerkte (weder lahm noch geschwollen) Verletzung der Tiefen Beugesehne links. Januar 2018 dann eine deutliche Folgeverletzung an der TBS, diesmal mit Lahmheit und Schwellung. Als erste Massnahmen Stammzellentherapie, Stosswellentherapie und Blutegel. Um ihr ausreichend Zeit für die Ausheilung zu geben wurde sie im Mai gedeckt, parallel dazu habe ich sie langsam und vorsichtig wieder aufgebaut von 2x täglich 10 Min Führen bis hin zu leichter Galopparbeit im Winter. Der Heilungsverlauf war sehr gut. Im Februar 2019 ist sie in den Abfohlstall umgezogen und ab dieser Zeit bin ich nur noch mit ihr spazieren gegangen. Dies habe ich ca einen Monat nach der Geburt wieder aufgenommen, seit August reite ich sie wieder zwei mal pro Woche leicht im Gelände oder auf dem Platz und longiere noch einmal leicht, auch mal mit Stangen.
Ende November geht der Kleine auf die Weide, dann kommt sie wieder nach Hause und ihr Aufbau kann richtig beginnen. Vorher gibt es noch einen Kontrollultraschall.
Mein Ziel mit ihr ist es, sie wieder in ausgewählten CC Prüfungen bis CCI2* (früher CIC1*) zu reiten. Um ihr ein zu anstrengendes Training zu ersparen will ich sie nicht mehr in höheren Prüfungen einsetzen. Natürlich könnte man nun sagen sie ist ja 2020 bereits 16 Jahre alt, schick sie doch in Rente! Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich ihr damit keinen Gefallen tun würde, weil sie ja ein sehr ehrgeiziges Pferd ist das immer mit Feuereifer im Cross dabei war. Sollte sie Anstalten machen, dass sie keinen Spass mehr daran hat werde ich das wieder überdenken, sie bestimmt den Weg und muss nichts mehr beweisen!

Hier in Radolfzell wünsche ich mir Jana nochmals an den Start bringen zu können!

Camiro
Im April 2019 hat er sich wohl in der Box eine leichte Schlagverletzung auf der Oberflächlichen Beugesehne rechts zugezogen (geschwollen, kurzzeitig lahm). Die Verletzung war minim, dennoch war es zu gefährlich weiter zu trainieren oder nur kurz zu pausieren. Darum haben Besitzer, Equipenchef (auch Tierarzt) und ich beschlossen die Saison 2019 nach nur einem internationalen Start zu beenden und ihn über den Sommer auf die Weide zu stellen. Da ist er nun seit Mai, bei einem Kontrollultraschall Ende August konnte man keine Veränderung der Sehne mehr feststellen und die leichte Schwellung die noch sichtbar war habe ich mit Hilfe von Blutegeln weg gebracht.
Nun beginne ich langsam mit dem (Muskel)aufbau, geplant sind ca vier Wochen Grundaufbau ohne Reiten, sprich Führen am Berg, später als Handpferd, etwas Handarbeit auf dem Platz und zwei mal wöchentlich Aquatrainer.
Mit ihm ist das Ziel ihn wieder 100% in den Sport zurück zu bringen, die Aussichten dafür sind sehr gut weil seine Verletzung so klein war. Ich möchte die Chance des Wiederaufbaus auch nützen um einen sauberen Muskelaufbau zu erarbeiten und die Rittigkeitsprobleme die wir immer mal wieder hatten intensiver anzugehen.

Camiro an der Schweizer Meisterschaft Elite 2018, wo wir die Silbermedaille gewinnen konnten.

Sobald die Mission "back on track" gestartet ist werde ich hier wieder berichten!

Sonntag, 19. Juni 2016

Mut zur Veränderung

In einer ruhigen Minute habe ich letztens das vergangene Jahr mit meiner Jana revue passieren lassen. Wer hätte im Januar 2015 schon gedacht was da alles kommen wird? Ich nicht. Gerade habe ich beschlossen nach einer unglücklichen Saison 2014 aus meinem Springpferd von dem ich jahrelang gedacht habe sie eigne sich nicht als Militarypferd ebendieses zu machen. Mich zog es ja schon lange wieder zurück zu den Wurzeln, schliesslich war ich mit Sky schon leidenschaftlich gern im Busch unterwegs. Aber ob Jana die nötige Härte für diesen Sport hat, das habe ich lange bezweifelt. Trotzdem musste ich es einfach versuchen! Und was soll ich sagen? Der Mut zur Veränderung hat sich definitiv gelohnt, dazu aber später. Zuerst kurz zusammengefasst unser Weg in den letzten gut 12 Monaten:

Kapitel 1, Indoor:
Als idealen Einstieg in den neuen Sport stellte sich für Jana die Indoor Trainings (bei Stephan Döll) und Prüfungen heraus. So konnte sie in der Halle viele verschiedene Naturhindernisse in aller Ruhe kennenlernen, vor allem die technischen Elemente wie schmale und schräge Sprünge sowie kurze, gebrochene Distanzen waren für sie Neuland und für mich eine Wiederauffrischung.

Kapitel 2, Trainings:
Bevor nun die Outdoor Saison begann und auch zu Anfang während dieser habe ich mit Jana verschiedene Geländetrainings besucht. Hierbei musste sie sich vor allem mit dem Wasser anfreunden, das sie doch jahrelang gemieden hat. Auch das Springen am Hang war neu für sie. Was ihr hingegen keine Probleme bereitete waren Auf- und Absprünge. Wir konnten von fast allen Trainings viel profitieren und waren bereit für den Busch!

Kapitel 3, Nationale Prüfungen:
Nach dem der geplante Saisonstart im B1 in Avenches buchstäblich baden ging, mussten wir unser Debüt gezwungenermassen direkt im B2 von Frauenfeld geben. Die weite, offene Geländestrecke war wieder etwas ganz Neues für Jana, umso überraschter und glücklicher war ich natürlich über ihre Souveränität und den daraus resultierenden Sieg in dieser Prüfung!
Auch in den folgenden Prüfungen (1x B2, 1x B3, 1x CNC*) zeigte mein Pferd eine solche Sicherheit im Gelände, dass ich beschloss es nach nur vier nationalen Start doch gleich mal international zu versuchen…

Kapitel 4, International:
Also fuhren wir im August noch recht ahnungslos nach Altensteig und wurden von unseren Schweizer Teamkollegen super aufgenommen und unterstützt (nochmals danke, vor allem an Brigitte, Andy, Kerstin und Tina)! Für Jana war es erst das dritte Mal in einem fremden Stall und so machte ich mir mehr Sorgen darum, ob sie sich einigermassen wohl fühlen wird und ob sie auch aus dem Eimer trinkt, als um den Start in unserer ersten CIC* Prüfung… Aber wie auch der Transport klappte auch das sehr gut, natürlich waren wir dauernd mit ihr am grasen und spazieren um ihr den Aufenthalt im engen Stallzelt so kurzweilig wie möglich zu machen. Die Prüfung selber gelang noch nicht so optimal. Aber das konnten wir ja dann beim zweiten Anlauf in Schwaiganger, wo wir dann auch schon viel mehr Sicherheit hatten wett machen. Das war ein rundum gelungenes Wochenende an einem tollen Ort, mit tollen Leuten, tollem Wetter und natürlich dem tollsten Pferd! Auf diese drei Tage werde ich sicher noch lange sehr gerne zurückblicken!

Und nun zurück zum eigentlichen Thema dieser Zeilen, dem Mut zur Veränderung. Wie schon zu Anfang erwähnt war ich immer der Meinung, Jana sei zum Springpferd geboren. Und ich bin mir auch sicher, dass wir nach der Saison 2014 mit viel Arbeit und Geduld auch da unsere Sicherheit wieder zurückgewonnen hätten, aber mein Gefühl stimmte nicht mehr. Darum war mir klar, wenn ich mein Pferd an dem ich so sehr hänge und dem es in dieser Zeit offensichtlich auch nicht so gut ging behalten will, ohne meinen sportlichen Ehrgeiz zurückstellen zu müssen, dann muss ich etwas ändern. Und was wäre naheliegender gewesen als das zu versuchen was mir schon immer am meisten Spass gemacht hat? Dass Jana immer eher anfällig und heikel war, dass sie Angst vor Wasser hatte, das liess ich ausser Acht. Ich wollte und musste es probieren und zwar ganz oder gar nicht, hätte ich je das Gefühl gehabt es sei nicht das Richtige und wir hätten nicht auch Erfolgspotential, ich hätte es wieder gelassen.
Und jetzt sehe ich heute mein Pferd, das noch nie athletischer, noch nie gesünder, noch nie fitter und vor allem noch nie zufriedener war als nach dieser ersten CC Saison!
Daraus ziehe ich zwei Schlüsse; erstens, wenn man ein gutes Gefühl dabei hat sollte man den Mut zur Veränderung haben und zweitens, ein fittes, gut trainiertes Pferd ist ein zufriedenes Pferd!