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Sonntag, 19. Juni 2016

Jungpferdeausbildung Teil 3, die ersten Schritte als Reitpferd

Im dritten Teil der Serie Jungpferdeausbildung möchte ich über die ersten Schritte eines Pferdes als Reitpferd berichten. 
Es lässt uns nun problemlos aufsteigen, die Hilfsperson die das Pferd führt ist immer noch mit dabei. Euer Pferd ist nun so ausgerüstet wie ihr es zu Anfang reiten möchtet. Welche Art Sattel und Zaum ihr dazu verwendet sei euch überlassen.
Steigt nun so wie geübt in den Sattel und lasst euch etwas in der Halle oder auf dem Platz herumführen, einfach damit sich das Pferd an das Gewicht auf dem Rücken gewöhnt.

Lenkung, Bremse und Gas
Das erste was das junge Reitpferd lernen muss ist, dass die Kommandos nun von oben und nicht mehr vom Boden aus kommen. Um ihm das begreiflich zu machen müsst ihr mit eurer Hilfsperson immer die nächsten Schritte absprechen, um dem Pferd nicht gegenteilige Informationen zu geben. Fangt nun an in Wendungen, beim Anhalten und Anreiten dem Pferd immer diese Signale zu geben, die es dann auch von euch erhalten wird, wenn ihr es alleine reiten könnt. Welche das sind kommt natürlich auf eure Reitweise an, darum werde ich nicht näher darauf eingehen. Für mich sind anfangs Stimmkommandos besonders wichtig. Diese hat das Jungpferd schon beim Longieren, Spazieren und der Bodenarbeit kennengelernt und sie helfen ihm am Anfang euch zu verstehen. Wenn ihr nun einige Wendungen, Haltparaden und Antritte gemacht habt, lasst die Führperson etwas auf Abstand gehen und passiv werden, das heisst z.B. erst dann anzuhalten wenn das Pferd schon steht. Nun ist es von Pferd zu Pferd verschieden wie schnell die Umstellung von der Führperson auf den Reiter dauert. Lasst ihm die Zeit die es braucht, habt Geduld und lobt es ausgiebig für jede Kleinigkeit, früher oder später kapiert es das Prinzip.
Wenn ihr das Gefühl habt Lenkung, Bremse und Gas funktionieren einigermassen, dann lasst die Hilfsperson den Strick lösen und reitet alleine weiter. Kurvt einfach mal etwas herum und spürt was geht, erwartet keine perfekten Bahnfiguren sondern lasst das Pferd laufen und gebt nur hin und wieder ein Signal zum Abwenden oder Anhalten. Wiederholt dieses Spiel ein paar Tage.

Antraben
Das erste Antraben geschieht bei mir meistens zufällig oder einfach aus dem Bauch heraus. Man muss aber dennoch parat sein dafür, es ist wichtig, dass man im Gleichgewicht bleiben kann und sofort in einem entlastenden Sitz leichtreitet. Es ist auch keine Schande sich etwas an der Mähne oder einem Halsriemen festzuhalten, denn die ersten Trabtritte unter dem Reiter sind meistens noch etwas schwankend. Gerät dann noch der Reiter ins Wanken oder fällt dem jungen Pferd gar in den Rücken, wird es noch schwieriger für den Youngster.
Zum Antraben gebt als erstes das entsprechende Stimmkommando, das ihr dem Pferd fürs Vorwärtslaufen oder Traben beigebracht habt. Vielleicht reicht das schon, vielleicht braucht es auch mehr Unterstützung. Ist das der Fall dann versucht nicht zu viel Druck mit den Schenkeln auszuüben, weil dieser das Pferd entweder bremst oder erschreckt. Besser ist es mit einer Gerte leicht auf der Schulter oder Schenkellage anzutippen und so das Pferd etwas in Schwung zu bringen. Ist das Pferd mal im Trab, dann lasst es laufen, natürlich soll es nicht immer schneller werden, aber solang ihr ein gutes Gefühl habt versucht es nicht zu stören und einfach traben lassen.
Lasst euch und eurem Pferd auch hier Zeit, wenn das Pferd sein Gleichgewicht gefunden hat und auf Kommando sofort antrabt beginnt grosse Wendungen und Handwechsel zu reiten.

Angaloppieren

Beim Angaloppieren verhält es sich ähnlich wie beim Antraben, das Gefühl muss stimmen, dann klappts auch. Falls es nicht zufällig aus dem Trab geschieht, sucht euch eine Ecke an in der ihr angaloppieren möchtet. Versucht es auch hier wieder zuerst mit Stimmkommando, das ihr genau wenn ihr in die Ecke hinein reitet deutlich und motivierend benutzt. Das Trabtempo muss etwas flotter sein, da das junge Pferd noch nicht die Kraft hat korrekt einzuspringen sondern noch etwas Schwung braucht dafür. Klappt es noch nicht mit dem Stimmkommando dann nehmt einen Trick zu Hilfe. Und zwar hilft es dem Jungpferd in den Galopp zu kommen, wenn ihr kurz vor der Ecke den Trabfuss wechselt. Nun mit Kommando und einem kleinen Zwick mit der Gerte positiv in den Galopp reiten. Eine Hand in der Mähne im leichten Sitz bleiben und einfach galoppieren lassen. Die meisten Pferde schaffen auf Anhieb nicht mehr als eine lange Seite im Galopp. Lasst euch Zeit. Und immer schön loben, überschwänglich sein und das Pferd feiern!

Donnerstag, 16. Juni 2016

Kinderarbeit oder Jugendförderung? In welchem Alter soll die Sportkarriere beginnen?

Der klassische und übliche Weg in den Sport eines jungen, Schweizer Pferdes beginnt im Frühling des Jahres in dem es dreijährig wird. Dann ist die Zeit auf der Fohlenweide zu Ende, es kommt in den Stall seines Besitzers oder Ausbildners und wird angeritten (Link). Im Sommer oder Herbst  wird es am Feldtest präsentiert, danach geht es vielleicht nochmals ein paar Monate auf die Weide. Dann im Winter / Frühling beginnt die Vorbereitung für die Jungpferdeprüfungen. Das junge Springpferd wird eingesprungen, das junge Dressurpferd im Viereck weiter ausgebildet. Schliesslich folgen dann im Frühsommer die ersten kleinen Turniere. 
Pragmatisch zusammengefasst ist dies das erste Jahr in der Karriere eines Sportpferdes. Doch Moment mal, weiss man nicht schon lange, dass Pferde erst mit ca. 7 Jahren ausgewachsen sind? Verlangen wir da nicht zu viel Leistung während des Wachstums? Kann das gesund sein? Logisch überlegt lauten die Antworten auf diese Fragen Ja, Ja und Nein. Doch natürlich spielen da wesentlich mehr Faktoren eine Rolle und nicht alle Pferde sind gleich. Jeder Besitzer sollte sich stets gut überlegen und abschätzen, wie viel er seinem Jungpferd schon zumuten kann, doch woran merke ich als Reiter das? 

Einige Anhaltspunkte:

Exterieur
Grosse Pferde brauchen mehr Zeit als kleine. Dies ist eine Faustregel die meistens auch ihre Richtigkeit hat. Kleine, kompakte Pferde haben ihren Körper viel schneller unter Kontrolle, als grosse, lange Tiere. Sie sind schneller im Gleichgewicht und können sich unter dem Reiter besser ausbalancieren. Das tönt gut, ist aber mit Vorsicht zu geniessen, denn durch diesen Umstand kompensieren diese Pferde auch die Fehler von uns Reitern viel besser und haben so einen Verschleiss an ihrem Körper, den man zu Anfang gar nicht bemerkt. 

Charakter
Es gibt Pferde die bieten in jungen Jahren alles an, machen alles mit und wirken schon sehr erwachsen. Das ist toll, ein Geschenk für jeden Reiter! Aber hier ist nun unsere Geduld gefragt, wir dürfen nicht vergessen, dass der Vierjährige der alles sofort kapiert und immer motiviert ist körperlich noch genau so unreif ist wie der, der noch etwas schwankend läuft und nicht so gut angaloppieren kann, weil er nicht ganz so eifrig ist wie der „Streber“. Auch gibt es Pferde die schnell mal anzeigen, dass ihnen etwas zu viel wird und solche die sich sehr lang nichts anmerken lassen, vielleicht bis zu dem Punkt wo dann plötzlich gar nichts mehr geht. Darum gilt auch hier, nicht immer einfach nehmen was einem das Pferd gibt, sondern auch zwischendurch genau zu überlegen ob man auf dem richtigen Weg ist.

Abstammung
Es gibt Linien von denen man sagt,  dass Pferde die dieses Blut führen entweder sehr frühreif oder sehr spätreif sind. Ich habe zum Beispiel schon öfter gehört, dass Pferde die vom berühmten Calando abstammen, etwas länger brauchen für ihre Entwicklung. Natürlich kann man das nie pauschal sagen, wiederum muss auf das einzelne Individuum eingegangen werden.

Zusammengefasst habe ich für die Jungpferdeausbildung ein Motto: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ 

Ich habe gelernt mich und meine Ungeduld zu hinterfragen, was bringt es mir zum Beispiel in ein paar Jahren wenn mein Pferd schon vor seinem vierten Geburtstag sein erstes Turnier gelaufen ist? Eine Garantie dafür, dass ein Pferd das spät in den Sport kommt auch länger gesund bleibt gibt es nicht und Jungpferdeprüfungen haben auch sicher aus züchterischer Sicht eine wichtige Funktion. Ein junges Pferd soll und darf auch ruhig eine Aufgabe haben, ich bin aber der Meinung dass ihm zu viel Druck langfristig mehr schadet als nützt.

Freispringen

Das Freispringen ist eine willkommene Abwechslung für alle Pferde. Einerseits können dabei Jungpferde ihre ersten Erfahrungen mit den bunten Stangen sammeln. Auf der anderen Seite ist es auch ein gutes Training für Kopf und Körper für Pferde, die unter dem Reiter nicht gesprungen werden. Auch für guckrige Pferde ist es eine gute Möglichkeit alle möglichen Arten von Sprüngen spielerisch kennenzulernen.

Der Aufbau
Für ein richtiges Freispringen muss zuerst in der Halle oder einem sehr gut eingezäunten Reitplatz eine Gasse erstellt werden. Dazu reicht normales Absperrband das zwischen den Hindernisböcken gespannt wird. Um die Pferde auf die richtige Bahn zulenken sollte man einen einzelnen Hindernisbock ca. drei bis fünf Meter vor dem ersten Sprung platziert werden und die Absperrung daran befestigen.
Welche Sprünge und wie viele davon aufgestellt werden hängt nun vom Zweck des Freispringens ab. Wenn ein Jungpferde auf den Feldtest vorbereitet werden soll, dann macht es natürlich Sinn die Reihe so zu stellen wie sie dann an der Prüfung auch aussehen wird. Also eine einfache Reihe die mit einem Kreuz mit Absprungstange anfängt, dann folgt mit einem Galoppsprung dazwischen ein Steilsprung und nach einem oder zwei Galoppsprüngen ein Oxer. Hier ist es wichtig, den Fuss der Sprünge mittels einer Stange zu markieren, das heisst eine einzelne Stange direkt vor die Sprünge auf den Boden zu legen um den Pferden den Absprung zu erleichtern. Auch sollten die Sprünge nicht zu „leer“ sein, sprich pro Steilsprung sicher drei und für den Oxer vier Stangen verbauen (die Fussstange nicht eingerechnet).
Möchte man den Pferden einfach Spass und Abwechslung bieten oder ihnen neue Sprünge zeigen kann man auch gut drei Seiten der Halle nutzen und der Kretivität freien Lauf lassen. Es muss einfach immer für die Pferde springbar sein, sprich die Distanzen müssen passen. Dabei rechnet man für eine Absprungstange oder ein In-Out ca. drei Meter, für einen Galoppsprung ca. sieben Meter und für zwei Galoppsprünge 10-11 Meter.

Schneller, höher, weiter?
Besser nicht. Klar möchte man auch mal austesten, wie viel Vermögen in einem Pferd steckt, dennoch sollte man das auch im Freispringen nicht übertreiben. Immer das Pferd sehr gut beobachten um das Erhöhen der Sprünge zu beenden, bevor das Tier psychisch oder physisch überfordert ist und Angst bekommt. Es sollte darauf geschaut wird wie das Pferd an die erhöhten Sprünge heran geht, hat man den Eindruck es ist unsicher und stockt darf nicht höher gegangen werden, sondern besser zum Abschluss noch einmal etwas tiefer. Ist es zwar mutig und zeigt keine Unsicherheit, springt aber nicht schön über den Rücken sondern hält sich fest, so ist es gesünder bei kleineren Sprüngen zu bleiben.

Wenn man die ganze Halle nutzt und an mehreren Seiten beispielsweise Sprünge mit Unterbau platziert, dann sollte man vom hoch Springen generell absehen. Man möchte in diesem Fall ja dem Pferd beibringen, spezielle Sprünge gelassen zu springen und es ihm dafür zu einfach wie möglich machen.

Jungpferdeausbildung Teil 2 – Das erste Aufsitzen

In der Fortsetzung zum letzten Jungpferdeausbildungs-Text werde ich über das erste Aufsitzen berichten. Es hat natürlich jeder Ausbildner seinen eigenen Weg auf das junge Pferd, ich habe die Art wie ich es handhabe in meiner Bereiterlehre gelernt.

Ich gehe nun davon aus, dass das Jungpferd inzwischen mit seinem Menschen, der Umgebung und der Ausrüstung vertraut ist. Es lässt sich gut longieren und bleibt auch bei schlackernden Steigbügeln im Galopp gelassen.

Wenn nun Tag X ansteht und ihr die ersten sein möchtet die je auf euren Pferden gesessen habt, dann sucht euch eine Hilfsperson der ihr vertraut. Denn sie wird es sein, die das Pferd hält, während dem ihr das erste Mal oben sitzt. Auch wichtig ist es, dass ihr das „Bodenpersonal“ über euren Plan instruiert und mitteilt was ihr genau vor habt.
Das Allerwichtigste ist aber, dass ihr auf euer Gefühl hört! Wenn der Bauch sagt es ist Zeit den Sattel zu erobern, dann wird auch alles gut gehen. Seid ihr euch jedoch sehr unsicher dann spürt euer Pferd das und es wird angespannt. Etwas Nervosität ist aber ganz normal, lasst diese zu, versucht aber dem Pferd gegenüber ruhig zu bleiben, sprecht mit ihm und vermeidet hektische Reaktionen wenn etwas nicht klappt.

Und nun kanns los gehen! Sämtliche beschriebenen Schritte sollten natürlich so oft wiederholt werden, bis das Pferd keine nervöse Reaktion mehr zeigt. Es muss auch nicht alles gleich an einem Tag passieren, hört auf euer Pferd und lasst euch Zeit.
Stellt euch nun ein Cavalletti oder sonst eine Aufstieghilfe auf den Reitplatz. Darauf steht ihr nun, während die Hilfsperson das Pferd ein paar Mal an euch vorbei führt und es immer mal wieder neben euch anhalten lässt. Ist es nicht mehr verwundert über eure erhöhte Position und bleibt ruhig stehen, könnt ihr anfangen es zu streicheln, überall wo ihr hin kommt. Lehnt euch dabei vorsichtig auch über den Sattel, sprecht mit dem Pferd und streichelt und tätschelt es auch auf der anderen Seite an Hals, Schulter und Flanke. Dabei aber nicht zu zimperlich sein, macht grosse Bewegungen, so dass das Pferd euch auch sehen kann. Lasst währenddessen ganz unauffällig immer mehr von eurem Gewicht auf dem Sattel sinken, bis ihr ganz auf dem Pferd liegt. Bleibt dieses dabei ruhig stehen und zeigt keine Nervosität, dann könnt ihr eure Hilfsperson langsam mit dem Pferd anlaufen und es herumführen lassen. Es kennt nun euer Gewicht auf dem Sattel, der nächste Schritt ist das Aufrichten. Legt euch dazu nochmal wie gehabt auf den Sattel, nehmt aber dabei den Steigbügel auf (Aufpassen; der Sattelgurt muss nun gut angezogen sein). Nun beginnt ihr euch aufzurichten. Ihr seid immer noch auf der linken Seite des Pferdes, stellt euch in den Steigbügel und stützt euch vorne und hinten auf dem Sattel ab, so wie ihr normalerweise auf ein gerittenes Pferd aufsteigt. Jetzt bewegt das rechte Bein so hin und her, dass es das Pferd sieht. Ruhig auch dabei immer wieder ein paar Schritte laufen.
Sobald darauf keine Reaktion mehr kommt, schwingt das Bein langsam und vorsichtig auf die andere Seite. Das benötigt eine gute Portion Körpergefühl und Gleichgewicht, denn ihr solltet vermeiden in den Sattel zu plumpsen oder mit dem Fuss zu stark an den Pferdebauch zu kommen. Wiederholt das ein paar Mal und nehmt dann auch den rechten Bügel auf. In beiden Bügeln stehend ohne die Sitzfläche zu berühren könnt ihr das Pferd nun wieder etwas laufen lassen. Jetzt kommt der letzte Schritt, setzt euch ganz vorsichtig hin. Dabei die eine Hand in die Mähne um das Gleichgewicht zu halten und mit der anderen Hand das Pferd streicheln. Wichtig; Loben nicht vergessen, quatscht euer Pferd ruhig voll, es soll die ganze Zeit auf euch fokussiert sein und darf eure Freude ruhig mitkriegen.


Nun sitzt ihr oben, ein tolles Gefühl! Wie es weiter geht lest ihr im nächsten Teil dieser Serie.

Dressurarbeit im Gelände, ein Widerspruch? Zweiter Teil

Nachdem ich im ersten Teil zum Thema über Übungen die auf dem Weg geritten werden können geschrieben habe, möchte ich nun mit euch etwas querfeldein reiten. Auch hier wieder als erstes die Bitte, reitet nur über Wiesen und durch den Wald wenn die Böden trocken sind und wenn ihr euch sicher seid, dass es der Bauer oder Förster erlaubt! Und seht euch auch vorher mal den Boden an, damit ihr Verletzungsgefahren ausschliessen könnt.

Zwischen den Bäumen
Entweder neben dem Weg oder gleich quer durch den Wald zu reiten macht den meisten Pferden Spass! Ausserdem schult es die Trittsicherheit und das Körpergefühl, da es halt nicht immer eben geradeaus geht sondern wortwörtlich über Stock und Stein. Aus diesem Grund sollte man sich auf das Schrittreiten beschränken, so kann sich das Pferd die Zeit nehmen um seine Beine zu sortieren. Traut euch auch mal dabei die Zügel etwas länger zu lassen, ohne die Anlehnung ganz zu verlieren damit euer Pferd sehen kann wohin es tritt.
Wer die Anforderungen noch steigern möchte kann Volten, Schlaufen und Schlangenlinien um die Bäume herum reiten. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Pferd ein regelmässiges, ruhiges Tempo beibehält und immer korrekt gebogen ist.
Vielleicht liegen irgendwo noch ein paar dünne Baumstämme herum, dann bezieht diese in eure Übungen mit ein, reitet über einzelne oder mehrere nacheinander. Geht dabei in einen entlastenden Sitz, damit euer Pferd den Rücken dehnen kann.

Rauf und runter
Für die Muskulatur des Pferdes ganz toll ist das Bewältigen von Klettersteigen und Abrutschen. Wenn ihr bei euch im Ausreitgebiet einen Hügel mit gutem, griffigen Boden habt, dann nutzt den regelmässig. Es baut die Muskulatur der ganzen Oberlinie und der Hinterhand auf und trainiert Körpergefühl und Gleichgewicht. Beim Klettern muss der Pferderücken entlastet werden, nehmt dafür das Gesäss aus dem Sattel und geht mit dem Oberkörper so weit nach vorne, dass ihr noch im Gleichgewicht seid. Um dem Pferd nicht im Maul hängen zu bleiben, nutzt einen Halsriemen oder die Mähne um euch festzuhalten. Auch beim Abrutschen sollte der Rücken des Pferdes leicht entlastet werden, dafür sollte das Hauptgewicht des Reiters in den Bügeln liegen, ohne die Beine zu weit vor zu strecken, das Gesäss bleibt leicht am Sattel und der Oberkörper wird etwas nach vorn geneigt. Sehr wichtig sowohl beim Klettern als auch beim Abrutschen ist, dass das Pferd immer parallel zum Hang läuft, denn wenn es schräg wird, besteht die Gefahr, dass es aus dem Gleichgewicht kommt.

Auf der grünen Wiese

Die meisten Pferde lieben es ihrer Natur gemäss auf Erdboden und Gras zu laufen. Leider haben nicht mehr so viele Ställe und Vereine eine bereitbare Wiese, da der Platz immer knapper wird und überall Sandplätze entstehen. Wenn ihr einen netten Bauern in eurer Umgebung kennt, dann fragt ihn doch mal ob ihr auf einer abgemähten Wiese reiten dürft. Damit meine ich nicht, dass ihr nur geradeaus darübergaloppieren sollt, sondern reitet so wie ihr auch in der Halle reiten würdet. Am Anfang werden eure Pferde vielleicht etwas übermütig sein, aber sie werden merken, dass es ums Arbeiten und nicht ums Herumtoben geht!

Jungpferdeausbildung Teil 1

Endlich ist es soweit, der langersehnte Moment ist da, der pferdige Nachwuchs kommt von der Fohlenweide in den heimischen Stall! Doch wie ist nun das weitere Vorgehen? Das hängt natürlich etwas davon ab wie viel der Youngster in der Fohlenschule schon gelernt hat. Wir gehen nun davon aus, dass Grundlagen wie Führen, Anbinden und Hufe geben schon funktionieren. Also kann nun langsam der Ernst des Lebens beginnen.

Aller Anfang...
...braucht Zeit! Hab Geduld und lass dein Pferd erst mal im neuen Zuhause ankommen und sich daran und an dich gewöhnen, bevor du mit der Ausbildung beginnst. Verbring einfach Zeit mit ihm, putze es und lerne seinen Charakter kennen. Wichtig ist auch, ihm seine neue Umgebung zu zeigen, den Putz- / Waschplatz, den Reitplatz oder die Halle und was es sonst noch auf eurem Hof gibt.

Die neue Arbeitskleidung
Man sollte auch nicht vergessen, dass das Pferd seine neue Ausrüstung kennen lernen muss. Angefangen bei den Gamaschen, es kennt ja das Gefühl etwas an den Beinen zu haben noch nicht. Am besten zuerst nur die Vorderen anziehen und die Hinteren nach ein paar Tagen dazu nehmen, denn viele Pferd reagieren etwas nervös auf die Gamaschen an den Hinterbeinen.
Nun der Zaum. Der sollte für die ersten Anproben so locker verschnallt sein, dass er leicht über die Ohren gezogen werden kann. Ausserdem empfiehlt es sich, dem Pferd die Trense schmackhaft zu machen, indem man sie ihm zusammen mit einem Leckerli ins Maul zu geben. Danach langsam und vorsichtig das Genickstück erst über das linke und dann über das rechte Ohr ziehen. Wenn das Pferd dies gut akzeptiert kann die Trense auf die richtige Höhe eingestellt werden.
Als nächsten Schritt (natürlich kann die Reihenfolge beliebig variiert werden) soll das Pferd den Sattel, beziehungsweise den Sattelgurt kennenlernen. Ein gelassenes Pferd wird nicht viel Reaktion zeigen, ein etwas nervöseres Tier kann vielleicht ängstlich reagieren. Darum schön langsam vorgehen, die ersten Tage nur die Schabracke auf den Pferderücken legen, so ganz nebenbei beim Putzen oder bei der Bodenarbeit. Einfach aufpassen, dass sie nicht herunterfällt und das Pferd erschreckt. Wird das Auflegen und Abnehmen der Schabracke nicht mehr beachtet kommt nun am besten ein Longiergurt zum Einsatz. Diesen zusammen mit der Satteldecke auf das Pferd legen und behutsam angurten, nur so viel, dass der Gurt am Pferd anliegt. Dann ein paar Schritte laufen bis das Jungpferd entspannt läuft und etwas nachgurten, wieder laufen und wieder nachgurten. In den ersten Tagen oder Wochen sollte das immer so gehandhabt werden, denn wer will schon ein Pferd mit Gurtzwang?


Jetzt kennt das junge Pferd seine neue Umgebung und die Ausrüstung. Darüber wie es nun weiter geht berichte ich im nächsten Teil der Jungpferde – Serie.

Dressurarbeit im Gelände, ein Widerspruch? Erster Teil

Wer kennt es nicht, bei dem Frühlingswetter das zurzeit herrscht lockt die Sonne und die milden Temperaturen zu einem schönen Ausritt! Aber halt, mein Pferd und ich waren doch schon gestern und vorgestern im Gelände, heute sollten wir mal wieder etwas arbeiten. Dieses elende Pflichtbewusstsein! Also ab in die Halle oder wenigstens auf den Sandplatz. Das wäre die eine Möglichkeit, die Variante wäre den Ausritt mit der Dressurarbeit zu verbinden. Doch Dressurarbeit im Gelände, ist das nicht ein Widerspruch? Ich denke; Nein! Viele Übungen die wir in der Halle reiten, lassen sich auch ganz einfach auf dem Ausritt umsetzen und noch weitere dazu die das Pferd abwechslungsreich fordern.

Auf dem Weg
Habt ihr bei euch im Gelände vielleicht auch Feldwege die nicht gerade sind, sondern in der Mitte erhöht? Diese eignen sich wunderbar um ein Pferd das gerade etwas schlurfend läuft aufmerksam zu machen. Schon einfaches im Zickzack reiten erfordert erhöhte Konzentration, weil es ja immer rauf und runter geht und bei jedem Seitenwechsel wieder Stellung und Biegung geändert werden. So kann man sowohl im Schritt als auch in einem ruhigen Arbeitstrab nicht nur die Aufmerksamkeit sondern auch die Losgelassenheit und die Rückentätigkeit fördern. Als Steigerung der Schwierigkeit kann man auch Schenkelweichen oder Travers reiten, dabei muss das Pferd in der Seitwärtsbewegung die Beine höher anheben durch die Erhöhung in der Mitte des Weges.
Natürlich können jegliche Seitengänge auch auf normalen Teer- oder Kiesstrassen geritten werden, sei es von links nach rechts oder dem Rand entlang, möglichst viel Abwechslung hält das Pferd wach und flexibel.
Auch Übergänge können prima im Gelände geritten werden. Warum nicht mal auf der üblichen Trabstrecke die Tritte verkürzen und verlängern? Oder Haltparaden und Schrittübergänge reiten. Das Selbe im Galopp, anstatt einfach immer im gleichen Tempo zu reiten 5-10 Galoppsprünge verkürzen und danach wieder 5-10 Sprünge verlängern. Die Pferde werden sich wundern, aber diese Übung ist eine gute Übung für den Gehorsam und die Reaktionszeit.
Bisher ging es bei den beschriebenen Übungen immer mehr oder weniger geradeaus, doch was ist mit der Biegung? Nun, in praktisch jedem Waldgebiet gibt es Kreuzungen an denen vier Wege aufeinander treffen. Diese sind meistens so gross, dass sie uns Platz für eine Volte bieten. Wundert euch nicht, es kann sein, dass euer Pferd das auf dem Platz wunderbare Zirkel laufen kann sich plötzlich kaum biegen lassen will! Es ist sich einfach nicht gewöhnt auf dem Ausritt plötzlich im Kreis zu laufen. Beginnt deshalb im Schritt, wenn genügend Durchmesser vorhanden ist, verkleinert die Volte ein paar mal und trabt erste an, wenn sich das Pferd gut biegen lässt. Das Trabtempo und ob auch galoppiert werden kann hängt natürlich vom Platz und den Bodenverhältnissen ab.

Durch Feld und Wald...

Übungen abseits der Wege gibt es dann im zweiten Teil dieser Serie. Und falls ihr schon selber ausprobieren möchtet, bitte reitet nur dann durch den Wald oder über Wiesen, wenn ihr euch sicher seid, dass nichts kaputt geht und es vom Bauer oder Förster erlaubt ist!