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Donnerstag, 16. Juni 2016

Grösse des Springpferdes - Riese oder Zwerg?

Im Allgemeinen gilt bei Springpferden, auf die Grösse kommt es nicht an. Andere Faktoren wie Vermögen, Einstellung und korrekter Körperbau sind wichtiger als ein paar cm mehr oder weniger. Trotzdem haben sowohl die kleinen, kompakten als auch die grossen, bewegungsstarken Pferde ihre Vor- und Nachteile. Und natürlich hat auch jeder Reiter andere Vorlieben, oft sieht man, dass Reiter über Jahre hinweg ihrem Typ Pferd treu bleiben.

Der Riese, seine Vorteile, seine Probleme und ein Beispiel

Alles fängt an mit der Ausbildung. Wie ich es schon in meinem Bericht zum Alter für den Einstieg in den Sport beschrieben habe, brauchen grosse Pferde meistens etwas mehr Zeit zum sich entwickeln. Ihre Ausbildung geht oft etwas langsamer, dementsprechend kommen sie dann auch etwas später in den Sport. Dass dieser Umstand kein Nachteil sein muss ist klar, er erfordert einfach etwas Geduld von Seiten des Besitzers / Reiters.
Ist dann der Riese mit seinen grossen Grundgangarten erst mal im Parcours unterwegs ist es wichtig, dass viel Wert auf die Dressurarbeit und die Rittigkeit gelegt wird. Denn so angenehm ein grosser Galoppsprung auch ist und so viel Boden man damit gutmachen kann, so wichtig ist es auch, dass sich dieser verkürzen lässt. Je höher das Niveau umso technischer werden die Parcours, das heisst es kommt vor, dass nach einem Hochweitsprung wie einer Trippelbarre in einer kurzen Distanz ein luftiger Steilsprung steht. Lässt sich da der Galoppsprung nicht verkürzen ist der Fehler vorprogrammiert. 
In schnellen Springen ist man mit einem sehr grossen Pferd oft etwas im Nachteil weil diese, natürlich mit Ausnahmen, weniger wendig sind als ihre kompakteren Konkurrenten. Das heisst man verliert wichtige Hundertstelsekunden, weil man eine enge Wendung gar nicht oder nur mit starkem Aufnehmen reiten kann. Dafür hat man wie schon erwähnt dann wiederum auf den Geraden die Nase vorn oder kann sogar in gewissen Distanzen einen Galoppsprung weniger reiten.
Gerade für etwas weniger mutige Reiter sind grosse Pferde manchmal hilfreich, weil sich einfach die Sprünge weniger hoch anfühlen.
Ein berühmtes Beispiel für einen Riesen im Parcours ist natürlich Willi Melligers Calvaro. Er mass 185 cm und überragte somit sowohl seinen Reiter als auch die Sprünge um einige cm. Calvaro war sicher kein Speedpferd, dennoch gelang es seinem Reiter einige Springen mit ihm zu gewinnen.

Der Zwerg, seine Vorteile, seine Probleme und ein (oder zwei) Beispiel(e)

Als Zwerge im Parcours bezeichne ich Pferde mit einem Stockmass unter 160 cm. Natürlich zählen da auch Ponys dazu, da von ihnen aber nur wenige Spitzenvertreter in Prüfungen über 120 cm anzutreffen sind, dreht sich mein Text hauptsächlich um kleine Pferde.
Diese haben es tendenziell in der Ausbildung zum Springpferd einfacher, da sie ihren Körper und ihr Gleichgewicht schneller unter Kontrolle bringen können als die Riesen. Es fällt ihnen auch leichter enge Wendungen ohne Schwungverlust zu galoppieren. Wo sie ihre Probleme bekommen sind hauptsächlich Kombinationen und kurzen Distanzen mit einer etwas weiteren Abmessung. Denn wo sie sich bei Distanzen mit fünf oder mehr Galoppsprüngen noch mit einem Galoppsprung mehr helfen können, müssen sie sich bei kürzeren Sprungfolgen doch schon etwas strecken um passend an den Aussprung heran zu kommen. Dies soll jedoch nicht verallgemeinert klingen,  in der heutigen Springpferdezucht wird viel Wert auf eine gute Galoppade gelegt, so dass auch kleinere Pferde welche genügend Temperament und Durchlässigkeit haben kaum mehr Mühe mit weiteren Distanzen zeigen.
Ein Extrembeispiel für ein kleines Springpferd, das noch nicht mal aus einer hochgezüchteten Linie stammt war Jappeloup de Luze. Der 158 cm kleine Wallach dessen Vater ein Traber war wurde mit seinem Reiter Pierre Durand trotz seiner geringen Grösse  1987 Europameister und 1988 sogar Olympiasieger.

Ein aktuelles Beispiel für ein Top Pferd auch höchstem Niveau mit kleinster Körpergrösse ist der inzwischen 18 jährige Cevo Itot du Château unter dem Sattel von Edwina Tops Alexander. Er misst ganze 156 cm und ist somit kleiner als die Sprünge die er mit Leichtigkeit überwindet.

Ein Dauerbrenner im Sattel – Hugo Simon

Der gebürtige Deutsche, für Österreich reitende Hugo Simon kam am 3. August 1942 in Krummwasser zur Welt, er ist also heute fast 72 Jahre alt aber noch lange nicht müde! Heute verbinden wir Hugo Simon untrennlich mit seinem legendären E.T. den er vor 10 Jahren aus dem Sport verabschiedet hat und der letztes Jahr im Alter von 27 Jahren verstarb. Jedoch war er auch schon höchst erfolgreich bevor dieses Wunderpferd in seinen Beritt kam. Sein grösster Erfolg war der Sieg bei den Olympischen Ersatzspielen in Rotterdam 1980 (Die eigentlichen Spiele in Moskau wurden von den Weststaaten boykottiert wegen des Angriffs der ehemaligen UdSSR auf Afghanistan) im Sattel von Gladstone. Ausserdem erritt er zwei weitere Olympiamedallien im Team, eine Medallie an Weltreiterspielen, zwei bei Europameisterschaften, drei Weltcupsiege, ein erster Platz beim grossen Preis am CHIO Aachen und fünf Siege beim Hamburger Derby! Aktuell hält er den Rekord für den ältesten Sieger eines grossen Preises mit 70 Jahren.

Wie alles anfing
Den Grundstein seiner Karriere legte Hugo Simon 1950, als er zum ersten Mal aufs Pferd stieg. Bereits zwei Jahre später wurde er Hessischer Juniorenmeister. Er ritt Vielseitigkeit sowie Dressur bis zur Klasse S, bevor er sich entschloss Springreiter zu werden. Als er vom Deutschen Verband für die Olympischen Spiele 1972 in München nur als Ersatzreiter aufgestellt wurde nahm er die Österreichische Staatsbürgerschaft an und ritt fortan fürs Austria-Team.

E.T.
Seinen wohl besten Deal machte der Immobilien- und Pferdehändler wohl 1993, als er den Kaufvertrag für den damals sechsjährigen E.T. FRH (von Espri) unterschrieb. Der Fuchswallach mit der auffälligen Blesse sollte das Pferd seines Lebens werden. Über drei Millionen Euro gewannen die beiden in den folgenden elf Jahren und da sind die zahllosen Autos und sonstigen Gewinne noch gar nicht miteingerechnet. Nach seiner Pensionierung 2004 zog E.T. zusammen mit seinem Rentnerkollegen Apricot D in einen Offenstall auf der Reitanlage von Hugo Simon in Weisenheim am Sand (AT). Dort blieben die beiden bis zu ihrem Tod 2013.

Der Publikumsliebling
Auf allen Turnieren dieser Welt ist Hugo Simon ein gern gesehener Gast. Die Zuschauer freuen sich wenn sich der Altmeister mal wieder die Ehre gibt und bei einem Turnier antritt, denn das ist heute nicht mehr so häufig der Fall wie früher. Sowieso steigt Hugo Simon nur noch zu diesen Turniereinsätzen in den Sattel, zuhause verzichtet er auf das Reiten und hält sich mit frühmorgendlichem Schwimmen fit.

Nicht nur wegen seiner Reitkünste ist Hugo beliebt, auch die Sprüche die ihm leicht über die Lippen kommen sind fast legendär. So fragte er zum Beispiel nach einem Sieg in einem Grossen Preis den Zweitplatzierten Lars Nieberg, der schier um sein Leben geritten ist und trotzdem langsamer war: „Welchen Umweg bist du denn geritten?“ Der Trick hinter seiner Schnelligkeit im Parcours ist wohl dieser: „Wenn ich meinen Bauch einziehe, dann wissen die Pferde, jetzt geht die Post ab...“

Freispringen

Das Freispringen ist eine willkommene Abwechslung für alle Pferde. Einerseits können dabei Jungpferde ihre ersten Erfahrungen mit den bunten Stangen sammeln. Auf der anderen Seite ist es auch ein gutes Training für Kopf und Körper für Pferde, die unter dem Reiter nicht gesprungen werden. Auch für guckrige Pferde ist es eine gute Möglichkeit alle möglichen Arten von Sprüngen spielerisch kennenzulernen.

Der Aufbau
Für ein richtiges Freispringen muss zuerst in der Halle oder einem sehr gut eingezäunten Reitplatz eine Gasse erstellt werden. Dazu reicht normales Absperrband das zwischen den Hindernisböcken gespannt wird. Um die Pferde auf die richtige Bahn zulenken sollte man einen einzelnen Hindernisbock ca. drei bis fünf Meter vor dem ersten Sprung platziert werden und die Absperrung daran befestigen.
Welche Sprünge und wie viele davon aufgestellt werden hängt nun vom Zweck des Freispringens ab. Wenn ein Jungpferde auf den Feldtest vorbereitet werden soll, dann macht es natürlich Sinn die Reihe so zu stellen wie sie dann an der Prüfung auch aussehen wird. Also eine einfache Reihe die mit einem Kreuz mit Absprungstange anfängt, dann folgt mit einem Galoppsprung dazwischen ein Steilsprung und nach einem oder zwei Galoppsprüngen ein Oxer. Hier ist es wichtig, den Fuss der Sprünge mittels einer Stange zu markieren, das heisst eine einzelne Stange direkt vor die Sprünge auf den Boden zu legen um den Pferden den Absprung zu erleichtern. Auch sollten die Sprünge nicht zu „leer“ sein, sprich pro Steilsprung sicher drei und für den Oxer vier Stangen verbauen (die Fussstange nicht eingerechnet).
Möchte man den Pferden einfach Spass und Abwechslung bieten oder ihnen neue Sprünge zeigen kann man auch gut drei Seiten der Halle nutzen und der Kretivität freien Lauf lassen. Es muss einfach immer für die Pferde springbar sein, sprich die Distanzen müssen passen. Dabei rechnet man für eine Absprungstange oder ein In-Out ca. drei Meter, für einen Galoppsprung ca. sieben Meter und für zwei Galoppsprünge 10-11 Meter.

Schneller, höher, weiter?
Besser nicht. Klar möchte man auch mal austesten, wie viel Vermögen in einem Pferd steckt, dennoch sollte man das auch im Freispringen nicht übertreiben. Immer das Pferd sehr gut beobachten um das Erhöhen der Sprünge zu beenden, bevor das Tier psychisch oder physisch überfordert ist und Angst bekommt. Es sollte darauf geschaut wird wie das Pferd an die erhöhten Sprünge heran geht, hat man den Eindruck es ist unsicher und stockt darf nicht höher gegangen werden, sondern besser zum Abschluss noch einmal etwas tiefer. Ist es zwar mutig und zeigt keine Unsicherheit, springt aber nicht schön über den Rücken sondern hält sich fest, so ist es gesünder bei kleineren Sprüngen zu bleiben.

Wenn man die ganze Halle nutzt und an mehreren Seiten beispielsweise Sprünge mit Unterbau platziert, dann sollte man vom hoch Springen generell absehen. Man möchte in diesem Fall ja dem Pferd beibringen, spezielle Sprünge gelassen zu springen und es ihm dafür zu einfach wie möglich machen.

Der Abreitplatz II - Wie wärme ich mein Pferd am besten auf?

Natürlich kommt das aufs Pferd an und jeder Reiter kennt seinen Partner unter dem Sattel am besten. Jedoch gibt es Dinge die einfach wichtig sind. Beispielsweise das Aufwärmen der Muskulatur und Gelenke. Auf das Einschritten sollte nicht verzichtet werden, mindestens 15 Minuten wären optimal (wenn die Möglichkeit besteht ausserhalb des Abreitplatzes). Darüber wie im Trab und Galopp geritten wird möchte ich keine Worte verlieren das ist zu individuell, darum komme ich direkt zu der Arbeit an den Sprüngen. Auf jedem Abreitplatz stehen ein Steilsprung und ein Oxer. Manchmal, wenn genügend Platz vorhanden ist auch noch ein zusätzliches Kreuz oder eine kleine Mauer. Hier gilt für mich ganz klar Weniger ist Mehr. 2-3 kleine Kreuze oder Steilsprünge am Anfang um das Pferd auf das Springen einzustellen. Dann erst den Steilsprung und danach den Oxer in Schritten von 10-20 cm erhöhen bis auf die Maximalhöhe. Diese hängt davon ab wie hoch die Sprünge im Parcours sind und auch davon wie man es selber bevorzugt. Genau so auch wie man eine Fussstange (Die Stange die vor dem Hindernis liegt) positioniert und wie breit der Oxer sein soll. Ich selber reite auf dem Abreitplatz meistens nur einfache Sprünge an, die Fussstangen etwas vorgezogen und die Oxer hinten etwas höher, selten carré (beide oberen Oxerstangen gleich hoch). Die Parcourshöhe oder maximal 5 cm höher reite ich normalerweise nur kurz vor dem Einreiten an einem letzten, einzelnen Steilsprung an.
Manchmal, vor allem in B Prüfungen sehe ich Reiter die scheinbar ohne Konzept viel zu viele Sprünge anreiten. Dies macht das Pferd nur sinnlos müde, denn was es Zuhause nicht kann, das lernt es auch auf dem Abreitplatz nicht mehr.
Wenn mal etwas nicht klappt, das Pferd verweigert dann macht es mehr Sinn den Sprung zu verkleinern als ihn immer und immer wieder vergebens anzureiten und so für alle anderen zu blockieren.
Mein Tipp für Turnier-Einsteiger, seht euch mal an wie die Routiniers in höheren R/N Prüfungen ihre Pferde vorbereiten und fragt euren Reitlehrer wie es für euch am besten ist.

Zeit lassen
Zeit ist für mich ganz wichtig. Ich möchte früh genug auf dem Pferd sitzen um erstens genug lang Schrittreiten zu können und zweitens nicht plötzlich in Eile zu kommen. Ich mache gern Pausen während dem Anreiten, vor und nach dem Einspringen, manchmal auch zwischendrin. Auch pünktlich am Start bereit zu stehen gehört für mich zur guten Vorbereitung. Natürlich kann es passieren, dass plötzlich alles schneller geht als angenommen, z.B. wenn viele Reiter unabgemeldet nicht erscheinen. Dann gilt es Ruhe zu bewahren und das Beste aus der Situation zu machen ohne nervös zu werden. Lieber weniger Sprünge als geplant machen und dafür diese konzentriert anreiten als hektisch werden und das Pferd so verrückt machen.

Optimal vorbereitet ist es natürlich einfacher mit einem guten Gefühl in den Parcours einzureiten, aber macht euch keinen Stress, die Pferde nehmen das meist lockerer als wir Reiter!

Der Abreitplatz I – Wie verhalte ich mich richtig?

Diesen Beitrag möchte ich einem Thema widmen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Dem Abreitplatz an Springturnieren. Seit bald 15 Jahren bin ich auf Abreitplätzen von Einsteigerprüfungen über Promotion bis in die hohen regionalen Klassen unterwegs und so manches Mal habe ich schon den Kopf geschüttelt. Natürlich passieren einem im Eifer des Concours Missgeschicke, schliesslich sind wir alle nur Menschen auf Pferden, die auch noch ihre eigenen Launen haben. Dennoch, wenn man sich etwas Gedanken macht und einige Dinge im Hinterkopf behält kann man sich, seinem Pferd und den Mitreitern einigen Stress ersparen.

Die Gesetze, geschrieben und ungeschrieben
Zuerst mal gelten auf dem Abreitplatz die üblichen Reitbahnregeln. Am wichtigsten ist hier die Vorfahrtsregel, linke Hand hat Vortritt vor rechter Hand, die höhere Gangart hat Vortritt vor der Tieferen. Lassen es also die Platzverhältnisse zu sollte nicht im Schritt auf dem Hufschlag geritten werden. Wer am springen ist hat Vortritt vor denen die gerade nicht an den Hindernissen arbeiten. Trotz der klaren Regeln sollte man immer aufmerksam bleiben und den Blick nach vorne richten, um auch mal ausweichen zu können wenn sich jemand anders nicht an diese hält oder halten kann.
Auch darüber wie gesprungen werden darf gibt es eindeutige Regeln die vom Richter am Abreitplatz überwacht werden.
Zu den ungeschriebenen Gesetzen gehört auch, dass man kurz vor seinem Start noch einen einzelnen, höheren Steilsprung machen kann und dafür der Sprung auch kurz verstellt wird wenn er gerade niedrig eingestellt ist.

Nobody’s perfect, aber Rücksicht nehmen ist nicht schwer
Denn wie schon oben erwähnt, Missgeschicke und Unachtsamkeiten können passieren. Sie sollten einfach nicht zum Standart werden. Mit Rücksicht und vorausschauendem Reiten kommt man in der Regel gut aneinander vorbei.
Ein Phänomen das ich öfters beobachte sind Kaffekränzchen. Reiter(Innen) die unbedingt auf dem Abreitplatz zu zweit oder sogar zu dritt nebeneinander Schritt reiten und schwatzen müssen und so den Verkehrsfluss behindern. Selbes gilt für diejenigen die ihre Besprechungen mit dem Trainer mitten auf dem Hufschlag, am besten noch an der engen Stelle neben den Sprüngen abhalten.
Zum gegenseitigen Respekt gehört auch Kommunikation. Sich zu entschuldigen wenn man versehentlich jemandem vor die Nase reitet ist das Eine, nachzufragen ob noch jemand den Sprung braucht wie er gerade steht, bevor man ihn verstellt das Andere. Und natürlich laut und früh genug ankündigen, wenn man einen Sprung anreitet. Kommunikation vereinfacht vieles.

Zur Kommunikation gehört auch das rote Mäscheli welches manche Pferde im Schweif tragen. Es bedeutet, dass dieses Pferd dazu neigt gegen überholende oder zu nahe aufreitende Paare zu schlagen, warum auch immer. Es ist ratsam diesen Hinweis zu beachten und generell immer einen vernünftigen Abstand zu den anderen Pferden einzuhalten. Auch gibt es Pferde die Mühe haben mit dem Kreuzen, dann ist es nur anständig wenn man versucht etwas Rücksicht zu nehmen und dieses Paar nicht bedrängt.

Pferdige Legenden im Parcours

Die Schweiz hat schon viele sehr erfolgreiche Springreiter hervorgebracht. Junge Talente denen ein schneller Aufstieg gelang und Arbeiter, die sich über Jahre hochgearbeitet haben. Medalliengewinner bei sämtlichen Grossanlässen, ja sogar schon zwei Olympiasieger! Doch auch sie hätten ihre Erfolge niemals ohne die vierbeinigen Partner unter dem Sattel erreichen können. Darum möchte ich diesen Beitrag ein paar ausgewählten Spitzenathleten im Parcours der letzten 100 Jahre widmen.

Lucette
Die 1916 geborene Irländerstute Lucette war unter dem Basler Leutnant Alphons Gemuseus 1924 die erste Schweizer Olympiasiegerin im Springreiten. Die Stute wurde von der Armee zwei Jahre zuvor als Remonte für 48 Pfund erworben. Neben dem Einzelsieg erreichten die beiden auch noch die Silbermedallie in der Mannschaftswertung, zusammen mit Hans Bühler auf Sailor Boy und Werner Stuber auf Girandole. Auch vier Jahre später war Lucette nochmals bei Olympia dabei, ein Fehler im Normalparcours verhinderte aber eine Titelverteidigung.

Jessica V
Die zierliche Jessica V war ebenfalls Irischer Abstammung und ist im Jahr 1973 geboren. Mit 11 Jahren, 1984 trug sie ihre Reiterin Heidi Hauri in Los Angeles im Stechen um den dritten Rang zu Olympiabronze. Ausserdem gewann sie zweimal Silber und einmal Gold mit der Mannschaft an den Europameisterschaften und wurde einmal Schweizermeisterin. Die bis zu ihrem Tod im Besitz der Familie Hauri stehende Stute absolvierte Ende der Achzigerjahre ihre letzten Turniere und durfte danach ihren Lebensabend in ihrer Heimat Irland verbringen, wo sie 2002 mit fast 30 Jahren verstarb.

Calvaro
Das zweifelsohne legendärste Pferd im Schweizer Springsport ist „der weisse Riese“ Calvaro. 1986 geboren kam Calvaro 2004 zu Willi Melliger. Unter ihm erreichte der imposante Schimmel je eine Einzel- und eine Mannschafts-Silbermedallie an olympischen Spielen. Zudem gewann er vier Medallien an Europameisterschaften und ersprang in seiner Karriere über 2 Millionen Franken. Im Jahr 2003 wurde Calvaro im Rahmen des CSI Zürlich feierlich aus dem Sport verabschiedet. Leider durfte er seinen Ruhestand nur ein halbes Jahr geniessen, im Herbst 2003 musste er aufgrund gesundheitlicher Probleme eingeschläfert werden.

Tinka’s Boy
Wenn auch nicht ganz so weltberühmt wie Calvaro, so ist doch sicher jedem Reiter in der Schweiz der Name Tinka’s Boy ein Begriff. 1989 in Holland geboren fand er 1997 den Weg in den Stall von Markus Fuchs. Der kleine, wendige Fuchshengst gewann unter Fuchs allein 26 internationale Grand Prix, drei Europameisterschaftsmedallien, den Weltcupfinal 2001 in Göteborg und Teamsilber bei den Olympisches Spielen 2000 in Sydney. Ausserdem ist er mit 2,5 Millionen eines der gewinnreichsten Pferde in Schweizer Beritt. 2006 wurde Tinka’s Boy aus dem Sport verabschiedet und gibt seither seine Talente als Zuchthengst weiter.

Nino des Buissonets

Noch während seiner aktiven Karriere kann man Nino des Buissonets schon zu den Legenden zählen. 2001 in Frankreich geboren ist Nino 2010 in die Schweiz und unter den Sattel von Steve Guerdat gekommen. Nur zwei Jahre später gewannen die beiden nach dem zweiten Rang am Weltcupfinal die olympische Goldmedallie im Einzelwettkampf in London. Der sensible Wallach ist nun 13 Jahre alt und wir werden hoffentlich noch viel vom Team Guerdat / Nino des Buissonets hören!

Trainingsspringen

Dieser Beitrag ist speziell für die Springreiter (und vor allem für die, die es werden wollen) unter euch! Die meisten Reiter kennen den Begriff Trainingsspringen und wissen auch worum es dabei geht. Doch wisst ihr auch, warum Trainingsspringen stattfinden? Man könnte ja auch einfach zu seinem Springreitlehrer gehen und dann aufs Turnier… Das geht natürlich und wird von routinierten Paaren auch grösstenteils so gehandhabt. Und trotzdem haben Trainingsspringen praktisch immer sehr viele Teilnehmer, obwohl die meisten unter der Woche stattfinden. Denn es gibt mehrere Gründe warum man sich die Zeit nehmen soll an so einer Veranstaltung mitzumachen.

Der erste Grund warum auch viele routinierte Springreiter und sogar Profis an Trainingsspringen anzutreffen sind, ist der Faktor Jungpferd. Für junge Pferde oder solche die keine oder wenig Routine haben kann ein Parcours an einem fremden Ort ganz schön aufregend sein. Auch wenn sie Zuhause schon viele Sprünge gemacht haben ist es etwas Anderes, Neues in einer unbekannten Halle oder auf einem grossen Springplatz nach kurzem Aufwärmen und Einspringen, vielleicht sogar wie auf dem Turnier auf einem anderen Platz gleich einen Parcours zu absolvieren. Für diese Pferde ist es sehr wichtig, dass man mit viel Zeit und Ruhe an die Sache heran geht und auch, natürlich mit einer Pause dazwischen, gleich zwei Parcours reitet oder zumindest das was im ersten nicht ganz geklappt hat korrigiert. Es soll für die Pferde ein positives Erlebnis sein, nur so werden sie auch im Ernstfall ihrem Reiter vertrauen.

Ein anderer Grund für die Teilnahme an einem Trainingsspringen ist natürlich der Reiter. Denn so wie die Pferde haben auch wir Reiter irgendwann unsere ersten Turnierstarts vor uns. Damit dann da die Nerven mitspielen, ist es eine tolle Möglichkeit an Trainingsspringen zu reiten und den Turnierablauf etwas zu üben. Optimal natürlich wenn einem dann auch noch sein Heimtrainer begleiten und unterstützen kann. Ansonsten hat es fast immer jemanden im Parcours den man bei einem Problem auch ungeniert fragen darf.

Noch kurz zum Ablauf. Bei den meisten Trainingsspringen hat man die Wahl ob man sich anmeldet oder einfach so hin fährt. Bei einer Anmeldung hat man natürlich die Gewissheit, dass dann auch jemand da ist um die Sprünge zu verstellen. Denn eine Höheneinteilung gibt es nur in seltenen Fällen. Man kommt also auf den Platz, merkt sich den Parcours und bereitet sein Pferd vor. Das Aufwärmen findet je nach Platzverhältnissen gleich in der Halle / auf dem Platz statt oder dann auf einem separaten Abreitplatz. Wenn man dann an der Reihe ist, gibt man den Verantwortlichen seine Wünsche bezüglich der Höhe der Sprünge bekannt und reitet einen Parcours. Danach gibt es eine Verschnaufpause und je nach dem wird der Parcours erhöht oder es werden einfach einzelne Passagen nochmal geübt. Und zuguterletzt, bezahlen nicht vergessen!

Spezialprüfungen im Springen - Six Barres und Mächtigkeitsspringen

Die heutigen Springpferde werden durch die Zucht immer besser, sie haben mehr Vermögen und körperliche Vorteile als es die Pferde noch vor 20, 30 Jahren hatten. In normalen Springen kann diesem Umstand nicht dadurch Rechnung getragen werden, dass die Sprünge immer höher werden, es wird mit technischen Klippen die Rittigkeit der Pferde und die Fähigkeiten des Reiters getestet. Anders sieht das aus bei den Hochsprungprüfungen, hierzulande meistens als Six Barres ausgetragen. Im internationalen Sport sind es Mächtigkeitsspringen die das Spektakel und die Show bieten, die das Publikum sehen will.


Six Barres
In der Schweiz werden an manchen Concours Six Barres Prüfungen ausgetragen. Wie der Name es schon verrät besteht ein Parcours eines Six Barres aus nur sechs Sprüngen, diese haben es dafür in sich! Die ersten beiden Hindernisse dienen den Paaren zum Aufwärmen und in Schwung kommen, denn danach kommt die Reihe von vier Sprüngen mit jeweils zwei Galoppsprüngen dazwischen. Der vorderste Sprung ist der kleinste, der hinterste der höchste. Welche Anfangshöhe der letzte Sprung hat hängt vom Niveau der Austragung ab, bei regionalen Concours beträgt sie meistens 110 cm.
Es reiten nun alle Teilnehmer den Parcours wie bei einem normalen Springen. Sämtliche Paare die alle Sprünge fehlerfrei überwunden haben kommen eine Runde weiter. Nun werden die Hindernisse erhöht und die verbliebenen Konkurrenten nehmen den zweiten Umgang in Angriff. So geht es dann weiter, bis entweder nur ein einzelner Reiter ohne Fehler bleibt der sich dann über den Sieg freuen darf, oder alle die noch dabei sind an einer Höhe scheitern so dass es mehrere Sieger gibt. Die Endhöhe bei Six Barres variiert natürlich je nach Qualität der Pferde und Glück der Reiter. Es kann schon bei 150 cm Schluss sein, aber auch bis zu zwei Metern gehen.

Mächtigkeitsspringen (Puissance)
Bei grossen, internationalen Turnieren gibt es oft schon zur Tradition gewordenen Mächtigkeitsspringen. Wie zum Beispiel bei der London Olympia Horseshow, die immer vor Weihnachten stattfindet.
Das Prinzip von Mächtigkeitsspringen ist dem der Six Barres sehr ähnlich, nur der Parcours wird etwas anders aufgebaut. Anstatt der Hindernisreihe gibt es nur Einzelsprünge, meist vier an der Zahl wobei der letzte, höchste oft eine imposante Mauer ist. Auch hier wird so lange erhöht bis ein oder mehrere Sieger feststehen. Bei den ganz grossen Turnieren geht es meist bis zu Höhen über zwei Metern. Der Weltrekord wird seit 65 Jahren vom Vollblüter Huaso gehalten, der mit seinem Reiter Captain Alberton Larraguibel einen Sprung von 2.47 m überwand (hier der Link dazu http://springblut.de/hochsprungweltrekord.html).
Natürlich sind diese Wettkämpfe sehr umstritten, denn ohne Zweifel, solche extremen Höhen sind für den Pferdekörper eine grosse Belastung und hie und da gibt es auch unschöne Stürze. Trotzdem denke ich nicht, dass ein Pferd das ab und zu an Puissancen geritten wird Schäden davon trägt. Huaso, der nach sechs Jahren auf der Rennbahn zwei Jahre für den Hochsprungweltrekord trainiert wurde gibt mir da recht, er verstarb nämlich erst im hohen Alter von 29 Jahren.

Spezialprüfungen im Springen - Equipenspringen

Sie bringen Spass und Action für Reiter und Zuschauer, es kann aber auch um viel gehen, Equipenspringen. Seien es Zweierequipen die an regionalen Turnieren das Publikum auf das Abenprogramm einstimmen oder Nationenpreise in denen auf höchstem Niveau um viel Geld geritten wird. Auch die Schweizer Regionalverbände haben ihre Cups, bei denen jeder Verein eine Mannschaft stellt. In diesem Text möchte ich euch einen Überblick über die verschiedenen Austragungsmöglichkeiten von Equipenspringen geben.

Zwei Reiter
Zweierequipen sind meist dann gefragt, wenn es eine kurze Prüfung sein soll, so zum Beispiel als letztes Springen an einem Freitag- oder Samstagabend oder auch als Nebenprüfung an einem CSI. Meistens sind beide Paare gleichzeitig im Parcours, so ist es für die Zuschauer viel spannender. Der Modus in dem die Prüfung stattfindet ist dem Veranstalter überlassen. Sehr beliebt ist es, die Reiter abwechselnd jeweils drei bis vier Hindernisse springen zu lassen. Das garantiert viel Action und fordert die Reaktionsschnelligkeit und Konzentration bei Reiter und Pferden. Ebenfalls möglich ist es, dass der erste Reiter den Parcours von Sprung 1 bis 10 absolviert und der Zweite den selben Parcours von 10 bis 1. Das erfordert natürlich eine entsprechende Bauweise der Oxer. Nicht ganz so interessant aber auch möglich, beide Paare absolvieren nacheinander den gleichen Parcours oder starten in zwei Höhen wobei zuerst alle Reiter der Stufe 1 und dann alle Reiter der Stufe 2 ihren Umgang absolvieren.

Drei Reiter
Dreierequipenspringen kenne ich hauptsächlich von den Mannschaftsmeisterschaften der Regionalverbände. Beim Verband Ostschweizerischer Kavallerie und Reitvereine heisst es OKV Coupe, beim Zentralschweizerischen Kavallerie und Pferdesportverband ist es der Vereinscup.
Beim OKV Coupe und dem ZKV Vereinscup stehen den Reitern insgesamt 21 Sprünge zur Verfügung, die in freier Parcourswahl unter den drei Paaren aufgeteilt wird. Jedes Pferd muss sieben Hindernisse absolviert haben wobei alle Equipenmitglieder gleichzeitig im Parcours sind und im Warteraum auf ihren Einsatz warten. Erst wenn der vorherige Reiter wieder im Warteraum ankommt darf das nächste Paar starten. Es wird nach Wertung A mit Zeitmessung geritten, das heisst es gewinnt die Equipe mit den wenigsten Fehlern in der schnellsten Zeit.

Vier Reiter
Sind vier Reiter in einer Equipe so wird meistens nach Nationenpreiswertung geritten. Im OKV gibt es den Cup (nicht zu verwechseln mit dem vorhin beschriebenen Coupe), bei dem die Vereine auf sechs Sektoren aufgeteilt jeweils vier Qualifikationen und den gemeinsamen Final absolvieren. Auf internationaler Ebene gibt es ebenfalls einen Cup, den Nationscup welcher bei wechselnden Sponsoren in unterschiedlichen Ligen durchgeführt wird. Die Prüfungen selber werden allerdings immer nach dem selben Modus ausgetragen, dieser ist der gleiche wie auch bei Championaten wie Weltreiterspielen, Europameisterschaften und Olympischen Spielen sowie dem OKV Cup zu tragen kommt. Vier Reiter absolvieren den immer gleichen Parcours, wobei jeweils der erste Reiter jeder Mannschaft den Parcours absolviert, danach der Zweite, der Dritte und so weiter. Das schlechteste Resultat jeder Equipe wird gestrichen und dann die anderen drei Ergebnisse zusammengerechnet. Das Team mit den wenigsten Fehlerpunkten gewinnt. Gibt es jedoch in den Medaillenrängen Gleichstände müssen zwei Reiter pro Mannschaft ein Stechen austragen.

Gemischte Teams
Es gibt auch Equipenprüfungen mit gemischten Teams. So zum Beispiel bei der PNW Vereinsmeisterschaft. Hier ist der Modus so, dass drei Paare je einen Parcours auf drei Schwierigkeitsstufen absolvieren und ein Reiter, entweder ein zusätzlicher Dressurreiter oder einer der Springreiter noch ein Dressurprogramm.
Auch im OKV gibt es eine solche gemischte Teamprüfung, die Vereinsmeisterschaft. Hier gehen vier Reiter pro Verein an den Start, die sich je zwei Prüfungen der Concours Complet Disziplinen Dressur, Springen und Gelände untereinander aufteilen wobei kein Paar zweimal in der selben Disziplin antreten darf.